Di, 09. Mai 2017 | Schweiz | Seite 6

Replik zum Leitartikel von Markus Somm «Unter falschen Propheten», BaZ vom 6. 5. 2017

Kernkraftwerke bauen statt Erbsen zählen

Von Andreas Aste

Markus Somm berichtet in seinem Artikel von falschen Propheten in der Energiepolitik. Tatsächlich muss man fortwährend leer schlucken, wenn man als informierte Person die Energiedebatte in den Medien verfolgt.

Dies sei hier durch einige wenige Beispiele illustriert:

Mühleberg und Norwegen

In der «Rundschau» vom 3. 5. 2017 wird kommuniziert, dass die mit über 400 Millionen Franken jährlich vom Bund geförderten Subventionsempfänger im «erneuer­baren» Stromsektor rund zwei Drittel des Stroms von ­Mühleberg produzieren.

Abgesehen davon, dass es sich in den betreffenden Fällen oft um Strom­erzeuger handelt, die in den kritischen Wintermonaten einen drastischen Leistungseinbruch erleiden, wird aber die Tatsache verschwiegen, dass das KKW Mühleberg lediglich etwa einen Drittel der Leistung von Gösgen und etwas mehr als einen Viertel der Leistung von Leibstadt ins Netz einspeist. Weiter muss in der «Arena» vom 28. 4. 2017 Norwegen mit seiner fast hundertprozentigen Stromproduktion durch Wasserkraft als Vorbild für eine erneuerbare Stromproduktion in der Schweiz herhalten. Mit einer Bevölkerungsdichte von 13 Personen pro Quadratkilometer (Schweiz: 203 Einwohner pro Quadratkilometer) vollbringt Norwegen da allerdings keine grosse Kunst. Zudem ist Norwegen als grosser Erdöl- und Erdgas-Exporteur ein Umweltsünder der Extraklasse.

Und schliesslich: Die technisch ­extreme Herausforderung an die Energiewende, das europäische Stromnetz bei 50 Hertz zu stabilisieren, kümmert offenbar wenig.

Um bei den kleinen Fischen weiterzumachen: 2015 haben 10 500 Solar­anlagen 147 Millionen Franken Fördergeld vom Bund erhalten. Gemessen an der Leistung dieser Anlagen hätte jedes unserer Kernkraftwerke Anspruch auf jährliche Milliardensubventionen. Natürlich kann man ja hoffen, dass sich die Kosteneffizienz der Fotovoltaik weiter verbessert; allerdings befindet sich aktuell die grösste Solarfirma der Welt, SunEdison, auf dem Weg in den Konkurs.

Für die 200 Milliarden, welche uns die Energiestrategie in Tat und Wahrheit locker kosten wird, könnten wir statt Erbsen zu zählen und die Natur zu verschandeln bis 2050 den gesamten Strombedarf der Schweiz mit einigen hochsicheren Kernkraftwerken der Extra­klasse mehrfach decken und die Stollen der nuklearen Endlager noch vergolden, selbst wenn sich der Bau solcher Kraftwerke durch massive Sicherheitsauflagen stark verzögern sollte.

Wirklich unabhängig

Der erste Reaktorblock der Vereinigten Arabischen Emirate, Barakah-1, wurde diesen Monat fertiggestellt und der Block wird nun für die physikalische Inbetriebnahme mit letzten Überprüfungen vorbereitet. Unsere Kinder werden dereinst ungläubig fragen: Habt ihr zugesehen und die Maschinenstürmer gewähren lassen, während die VAE, China, Ghana, Indien und Bangladesch an uns vorbeizogen sind? Sie hatten günstiges Gas und Öl und verkauften dieses lieber an euch Abhängige, und genau wie Russland machten sie sich wirklich unabhängig von fossilen Brennstoffen.

In der Tat kann niemand die Zukunft voraussehen, wie Markus Somm schreibt. So aber könnte es kommen. Denn Uran stellt eine praktisch unerschöpfliche Energiequelle dar. Die Handhabung der Kernenergie ist sicherlich kein Kinderspiel und setzt einen hohen kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklungsstand einer leistungswilligen Gesellschaft voraus.

Andreas Aste ist Präsident CVP ­Grossbasel West und Dozent für ­Physik an der ­Universität Basel.