Do, 15. Dez 2016 | Stadt | Seite 23

Der Aufstieg der Elisabeth Schneider

Mit der Baselbieter CVP-Nationalrätin präsidiert erstmals eine Frau die Handelskammer

Von Christian Keller

Artikel-Detailbild

Basel. Ist dieses prestigeträchtige Amt die Krönung ihrer politischen Karriere, oder warten in Bern dereinst noch höhere Weihen? Verschiedentlich war diese Frage zu vernehmen, seit die Handelskammer beider Basel (HKBB) am Dienstag darüber informierte, dass Elisabeth Schneider-Schneiter im Sommer das Präsidium übernehmen werde. Die 52-jährige Baselbieter CVP-Nationalrätin tritt die Nachfolge von Rechtsanwalt und LDP-Urgestein Thomas Staehelin an, der sich nach 16 Jahren an der HKBB-Spitze zurückzieht.

In jedem Fall wird die Berufung auf den repräsentativen Führungsposten Schneider-Schneiters Stellung unter der Bundeshauskuppel stärken. Ab Juni steht die studierte Juristin, ehemalige Landratspräsidentin und zweifache Mutter einem Wirtschaftsverband vor, der mit Mitgliedern wie den Grosskonzernen Roche und Novartis seine Interessen wirksam einzubringen weiss.

Es mangelt ihr denn auch nicht an ehrgeizigen Absichten, wie sie gestern an einer morgendlichen Pressekonferenz gegenüber Journalisten erkennen liess. «Eines meiner Ziele wird sein, gewisse Industriebereiche wieder stärker nach Basel zurückzuholen», erklärte die Bundespolitikerin aus Biel-Benken. Sie denke dabei an den lokalen Finanzplatz, der in seiner Bedeutung gestärkt werden könnte. Oder an das grosse Thema Digitalisierung. Es würde der Region nicht schaden, am Strukturwandel stärker zu partizipieren, etwa durch die Ansiedlung von Start-ups. In diesem Umfeld sei viel Potenzial vorhanden.

Natürlich bekräftigte die künftige HKBB-Präsidentin auch ihren Willen, Basler Anliegen in Bern, «wo die Musik immer mehr spielt», stärker zur Geltung zu bringen. An regionalspezifischen Dossiers fehlt es derzeit nicht. Basel Nord, Herzstück oder Rheintunnel lauten die entsprechenden Stichworte.

Breite Vernetzung in Bern

Gerade die breite Vernetzung von Schneider-Schneiter als eidgenössische Parlamentarierin, Vizepräsidentin der Aussenpolitischen Kommission sowie Vizepräsidentin der CVP Schweiz war ein wesentlicher Grund, weshalb sie vom HKBB-Vorstand einstimmig auf den Schild gehoben wurde. «Die Bedürfnisse der zweitgrössten Wirtschaftsregion der Schweiz können dank dieser Wahl in Bern noch direkter zum Ausdruck gebracht werden», sagte Staehelin. Er sei «ausserordentlich froh» über die Ernennung Elisabeth Schneider-Schneiters, mit der er stets einen guten Kontakt gepflegt habe.

Die Gelobte gab die Komplimente zurück: Die HKBB sei «hervorragend aufgestellt», der Präsident habe sich durch sein «umsichtiges Handeln» ausgezeichnet. «Ich bin mir bewusst, in welch grosse Fussstapfen ich trete.»

Mit der Stabübergabe Staehelins an Schneider-Schneiter schreibt die Handelskammer gleich in mehrfacher Hinsicht Geschichte. Erstmals wird die Organisation von einer Frau präsidiert. Seitens der HKBB wird diesem Umstand aber keine Bedeutung beigemessen. «Das Geschlecht hat beim Auswahlverfahren keinerlei Rolle gespielt. Im Vordergrund standen die Qualifikationen», sagte Vizepräsident Daniel Schenk, welcher die Findungskommission geleitet hatte. Und auch Schneider-Schneiter betonte: «Es ist bekannt, was ich von Quoten-Regelungen halte. Wäre es nur darum gegangen, hätte ich auf das Mandat verzichtet.»

Ein Novum ist zudem die parteipolitische Zugehörigkeit. Das Präsidium wird neu von einer Persönlichkeit besetzt, deren Heimat nicht in der LDP oder FDP, sondern in der Mitte bei der CVP liegt. Laut Staehelin sei das Parteibüchlein nicht von Belang. «In einer solchen Funktion müssen Sie für alle Seiten offen sein.» Wie die CVP-Exponentin allerdings ausführte, habe sie gemeinsam mit HKBB-Direktor Franz Saladin analysiert, ob es bei politischen «A-Geschäften» zu Konflikten zwischen ihrem Engagement bei der Handelskammer und der Partei kommen könnte. «Wir konnten keine Probleme feststellen. Ich muss mich nicht verbiegen, da ich mich schon immer für die wirtschaftlichen Interessen der Region eingesetzt habe», sagte Schneider-­Schneiter.

Bemerkenswert ist weiter, dass sich mit der präsidialen Neubesetzung die Schlüsselstellen der HKBB nun komplett in Baselbieter Händen befinden. Auch Direktor Saladin ist ein Landschäftler. «Darauf achten wir nicht. Wir haben das Wohlbefinden der Gesamt­region im Blick», bekräftigte Staehelin.