Mi, 26. Apr 2017 | Wirtschaft | Seite 9

Das kleine EBL-Wunder

Baselbieter Genossenschaft verdoppelt Gewinn in einer Zeit der grossen Branchenkrise

Von Kurt Tschan

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Liestal. Ein Geschäftsjahr mit umgekehrten Vorzeichen war 2016 für die beiden Baselbieter Energieversorger Elektra Birseck Münchenstein (EBM) und die Elektra Baselland (EBL). Während die Unterbaselbieter bei einem Umsatz von 481 Millionen Franken eine Halbierung ihres Gewinns auf zehn Millionen Franken bekannt geben mussten, schafften die Oberbaselbieter das Gegenteil. Sie verdoppelten ihren Gewinn von zehn auf 20 Millionen Franken bei einem deutlich geringeren Umsatz von 219 Millionen Franken. Sondereffekte wie Verkaufsgewinne von zwei Millionen Franken spielten zwar eine Rolle. In der Summe aller Dinge gelang der EBL allerdings das Kunststück, der grassierenden Branchenkrise mit  riesigen Überkapazitäten am europäischen Strommarkt und damit verbundenen Wertberichtigungen auf Kraftwerksanlagen und Strombezugsrechten nicht nur zu trotzen, sondern unter dem Strich deutlich zuzulegen.

Sowohl beim Strom, der Wärme und der Telekommunikation hätten «weitere grosse qualitative wie finanzielle Fortschritte erzielt werden können», sagte Geschäftsführer Urs Steiner gestern bei der Präsentation der Geschäftszahlen 2016. Basis der erfreulichen Jahresrechnung sei das Ergebnis einer seit Jahren konsequenten Umsetzung des Kostenmanagements und der Effizienzsteigerung, die Konzentration auf das Kerngeschäft sowie getätigte Investitionen in die erneuerbare Energieproduktion Wind, Sonne und Biomasse. Rund ein Fünftel des Ebitda resultiert inzwischen aus den Abgaben, die die Privatkunden im Zug der von Bundesrat und Parlament proklamierten Energiewende zu bezahlen haben. Die EBL ist frühzeitig auf den subventionierten Zug aufgesprungen und kassiert nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Spanien und Deutschland Fördergeld.

Strom wird nicht billiger

Die Verdoppelung des Gewinns führt bei der EBL jedoch zu keinen Tarifsenkungen, obwohl sich das die Genossenschaft mit über 45 000 Netzanschlüssen zweifellos leisten könnte. «Bei unseren Genossenschaftern herrscht das Denken vor, dass Gewinne in Zukunftsprojekte investiert werden», sagte Steiner mit Verweis auf die Geothermie. Aktuell ist die EBL mit weiteren Energieversorgern der Schweiz daran, ein solches Projekt konkret weiterzuverfolgen. Die Baubewilligung liegt vor, allerdings ist das Vorhaben Haute-Sorne im jurassischen Bassecourt durch Einsprachen blockiert. Anwohner befürchten Immissionen, wenn in fünf Kilometer Tiefe nach Erdwärme gebohrt wird. Steiner ist aber zuversichtlich, dass mit den Bohrungen 2018 begonnen wird, wenn das Bundesgericht die Baurekurse abgewiesen hat.

Anders als die EBM publiziert die EBL keine Gewinnzahlen zu den einzelnen Geschäftsbereichen. Sie belässt es bei Umsatzangaben. Steiner betonte jedoch, dass alle Bereiche profitabel arbeiten. Die einzige Verlustquelle während fünf Jahren war der Bereich Wärmesysteme für Ein- und Mehrfamilienhäuser, der in der Zwischenzeit veräus­sert wurde. Gesamthaft bezifferten sich die Sonderabschreibungen 2016 bei der EBL auf fünf Millionen Franken. Fernwärmeverbünde für Gemeinden bleiben bei der EBL weiterhin ein wichtiges Standbein, das dann wirtschaftlich rentabel ist, wenn wie zum Beispiel in Saanen und Gstaad im Berner Oberland nicht nur Privathaushalte an ein System angebunden sind, sondern ganze Betriebe und Institutionen mit einem grösseren Wärmebedarf.

Das Ausland bleibt wichtig

Als Leuchtturmprojekt in diesem Bereich gilt die Erneuerbare Energieschiene Ergolztal, die nach der Übernahme der Fernwärmeanlage Liestal, die dem Kanton abgekauft worden war, und der Inbetriebnahme des Holzheizkraftwerks in Pratteln im Endausbau in drei Jahren 27 000 Haushalte mit Wärme versorgen wird. Insgesamt werden dafür 340 Millionen Franken aufgewendet. Die EBL gehört inzwischen zu einem führenden Anbieter von Fernwärme in der Schweiz. Weitere Grossprojekte sind sowohl in der Deutsch- als auch in der Westschweiz aufgegleist. «Dieser Bereich, der praktisch nicht durch Abgaben quersubventioniert wird, ist vor allem auch für institutionelle Anleger interessant», betonte Steiner. Die Fremdbeteiligungen haben bereits 80 Millionen Franken erreicht und werden sukzessive ausgebaut.

Hartnäckig verfolgt die EBL auch ihre Auslandsaktivitäten weiter. Mit der Marke «Schweizstrom» wird Strom in Deutschland verkauft. Beim Solarkraftwerk Puerto Errado II in Spanien liegt die Produktion über Budget. Hinzu kommen Windparks in Deutschland. «In den nächsten fünf Jahren werden wir gegen 400 Millionen Franken investieren», sagte Steiner. Ein Teil dieses Geldes dürfte durch Zukäufe bei den Erneuerbaren ins Ausland abfliessen. 

Weiter interessiert ist die Elektra Baselland aber auch an Speicher- oder Flusskraftwerken in der Schweiz. Angesichts der bestehenden Risiken im Zuge der Energiewende stellte Urs Steiner jedoch klar: «Wir gamblen nicht mit Genossenschaftsgeldern.