Di, 16. Feb 2016 | Meinung | Seite 19

Agenda

Punktesystem gegen Menschheit

Von Regula Stämpfli

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Revolutionen sind laut, Umstürze sind leise. Die Europäische Zentral- und die Schweizerische ­Nationalbank machen es vor: Bargeld soll weg. Der Krieg: ­«Reiche gegen Arme» (Zitat von Warren ­Buffett – nun wirklich kein verdächtiger ­Linker) ist hierzulande in die heisse Phase getreten. Ein Klick und Ihr ­Guthaben ist weg. Die SRG braucht mehr Geld? Klick: Mediensteuer erhöht. Zweite Gotthardröhre teurer als geplant? Klick: Feriengeld konfisziert. Ohne Bargeld gehen nicht mehr die Banken und der Staat in Konkurs, sondern die ­Bürger. Den ­Bürgern werden die Milliarden für die Zocker direkt vom Konto abgezogen. Oooch, ­Griechenland hat sich verzockt? Kein ­Problem! Die ­Menschen füllen das von den ­Banken verhurte Geld mit ihrem Blut auf: Nieren und Leber sind momentan in Griechenland extrem günstig zu haben.

Die Abschaffung des Bargeldes ist nichts ­anderes als die Enteignung des Volkes durch die Banken und deren Mittäter Staat. Im Vergleich dazu war sogar die DDR fortschrittlicher. Denn die DDR zielte zuerst auf den Kopf und das ­Verhalten der Bürger – die Banken zielen direkt auf den Körper, dort, wo es eben extrem wehtut.

«Es gälte, die organisierte Kriminalität ­einzudämmen» – ha, dass ich nicht lache. Mit der Abschaffung von Bargeld wird die organisierte Kriminalität Staatsdoktrin. Ohne Bargeld haben die Menschen kein Geld mehr, sondern sie sind es.

Gold, Vieh, Kinder, Frauen werden im Krieg noch direkt gestohlen, entführt, vergewaltigt und gefoltert. Banken und Staat können dies künftig mit einem Mausklick leisten. Der CEO braucht eine Leihmutter? Ein Blick in die Datenbank und auf die Kreditfähigkeit einiger «Kunden», und ­fertig ist das Geschäft. Ein Biobauer findet Sympathie unter den Tier-Massenfabrikanten? Wie wäre es, sein Vermögen abzuziehen, dass er keine Zeit mehr hat, Unruhe zu stiften? Ein Banker schlägt andere Banker mit deren eigenen Argumenten? Plündert seine Pensionskasse und er wird still.

Die Abschaffung von Bargeld errichtet die Finanz- und Überwachungsdiktatur. Schon jetzt sollen die Giroguthaben zur Abdeckung von ­grossen Verlusten der Banken herhalten. ­Erstaunlich daran ist, dass alle – inklusive ­verblödeter Sozialdemokraten – die Klappe ­halten. ­«Bargeld abschaffen?» – «Weshalb denn nicht! Dann gibt es keine Steuerhinterziehung mehr», echt. Was tun?

Demokratisch können wir es mit der Voll­geld-Initiative versuchen. Echte Franken auf ­echten Konten. Der Reichtum der Schweiz wird dann das, was er er eigentlich ist: das Resultat von Leistung, nicht von Spekulation.

Hat der Mensch noch Bargeld und ist es nicht grad selber, kann er sich auch gegen die bürokratischen Verwertungsstellen bei Banken und Staat wehren. Hat er keines mehr, ist er von Anfang an nur noch eine Dezimalstelle nach der Null und dem Komma. Wahnsinn, gell? Wer hätte je gedacht, dass ausgerechnet ich Münzen und Scheine so vehement verteidigen muss?

Deshalb: Maschinengewehr war gestern, ­bargeldlose Banken sind heute. Was Staat und Banken vorschlagen, ist nichts anderes als die ­Wiedereinführung der Leibeigenschaft mit ­anderen Mitteln. Kommen die Banken und der Staat mit dem Unrechtsvorschlag durch, wird es dermassen pervers, dass die Historikerin niederschreibt: Die Bauern hatten 1517 – im Vergleich zur «Kreditkarte Mensch» 500 Jahre später – bedeutend mehr Freiheit und Mitbestimmung.