Do, 10. Sep 2015 | Meinung | Seite 9

Wirtschaftskammer als Spielfeld für Verschwörungstheorien

Medienfilz

Von Martin Wagner

Am Samstag, den 5. September 2015, ist Theo Klee vollends ausgerastet. Niemand darf es wagen, ihm jemals wieder den Standpunkt der Wirtschaft, die Verbandszeitung der Wirtschaftskammer Baselland, zuzustellen. Das von ihm ­ausgesprochene Zustellverbot ist unumstösslich. Dies, nachdem er den Artikel des Schreibenden im Standpunkt der Wirtschaft unter dem Titel «Ein Journalist auf Abwegen» gelesen hatte.

Dieser Artikel belegt die journalistischen ­Entgleisungen des ständigen Wirtschaftskammer-Kritikers und Kampagnenführers Christian Mensch, welcher zwar bei führenden ­Medienhäusern eine journalistische Ausbildung genoss, diese jedoch nun letztlich auch im Dienste der aargauischen Sonntagszeitung nicht umzu­setzen vermag. Wer ist nun dieser Theo Klee und weshalb regt er sich derart über die Kritik an Christian Mensch auf?

Hier folgt eine Verschwörungstheorie, dieses Mal jedoch von der Gegenseite, und man darf auf die Wirkung auf die professionellen Verschwörungstheoretiker, wie Mensch und Konsorten, gespannt sein. Theo Klee ist der Vater von Matieu Klee, Redaktor beim «Regionaljournal Basel Baselland». Auch Matieu Klee hat kürzlich die Wirtschaftskammer mit «happigen» Vorwürfen ­verunglimpft. Motiviert zu dieser medialen ­Fehlleistung wurde Klee offensichtlich von Mensch, der nach Interventionen gegenüber seinem Verleger nicht mehr wild drauflosschreiben durfte und der die Hausjuristen der AZ-Mediengruppe, welche auch die Basellandschaftliche ­Zeitung herausgibt, im Genick hatte.

Das zivil- und strafrechtliche Haftungsrisiko durch Falschberichterstattungen ist enorm, das kann sich heute kein Verlag mehr leisten. Auch die Medienhaftpflichtversicherung der AZ-Mediengruppe dürfte daher Vorbehalte ­gegenüber dem Schreibstil von Mensch geltend gemacht haben. Dieser litt schwer unter seinen Handfesseln, also musste er für die Verbreitung seiner falschen Verschwörungstheorien Hände beziehungsweise Stimmen von Gesinnungs­genossen in ­anderen Medien suchen. Hier half ihm bereit­willig «Regionaljournal»-Redaktor Matieu Klee, zu dem familiäre beziehungsweise zumindest freundschaft­liche Bande bestehen, wie die Reaktion des Vaters von Klee zeigt. Und Mensch wusste, dass er beim «Regionaljournal Basel Baselland» an der richtigen Adresse war, ist doch dessen Leiter, Dieter Kohler, ein bekennender Radio­politiker, mit garantiert linkslastiger Gesinnung. Dass sich die Regionalredaktion Basel für Kohlers mediale Entgleisungen im Zusammenhang mit der «Schwedenreise-Affäre» kürzlich bei der Basler Zeitung entschuldigen musste, hat bei ihm jedenfalls zu keinerlei Einsehen geführt. Kohler hatte der Basler Zeitung völlig tatsachenwidrig ein «Zurückkrebsen» von der erfolgten ­Bericht­erstattung unterstellt.

Groteske Auswirkungen

Klee ging gar noch einen Schritt weiter, als nur die Angriffe von Mensch gegenüber der Wirtschaftskammer weiterzuverbreiten. Er suchte Verbündete. Klee fragte bei anderen Medien wörtlich nach, ob man nicht auch «auf den Zug» aufspringen wolle. Mit «Zug» war natürlich die orchestrierte Kampagne gegen die Wirtschaftskammer gemeint. Auch Klee fand rasch den gesuchten Verbündeten in der Person von Philipp Loser, Redaktor beim Tages-Anzeiger. Loser übernahm, natürlich ohne eigene Recherchen, die von seinen Kollegen servierten Verschwörungstheorien und sorgte unverzüglich für deren Weiterverbreitung im Tages-Anzeiger. Die wochenlange Kampagne musste schliesslich am Leben gehalten werden. Und wo ist nun die ­Verbindung von Klee und Loser? Beide arbeiteten sie für die TagesWoche, im Kampf «Gut gegen Böse», und dort wurden sie für immer zusammengeschweisst als verbrüderte Medien-Wächter. Offensichtlich wachen aber die Waffenbrüder Mensch, Klee, Loser eher über die eigene links­politische Gesinnung als über die Errungenschaften der demokratischen Gesellschaft.

Natürlich herrscht Wahlkampf und Janiak muss im Ständeratswahlkampf vor Wirtschaftskammerdirektor Buser geschützt werden. Buser ist für die Linken eine Gefahr, sie wollen ihn medial bodigen. Um nichts anderes geht es. Falschberichterstattung ist und bleibt jedoch widerrechtlich. Mensch hat sich zwischen­zeitlich daher für einige seiner Fehler entschuldigt.

Der Berichtigungspflicht, die eine wesentliche Berufspflicht der Journalisten darstellt, ist er ­hingegen nicht nachgekommen. Das Unterschlagen von wichtigen Elementen von Informationen und das Entstellen von Tatsachen sind im höchsten Masse unethisch. Die perfide Medienkampagne gegen die Wirtschaftskammer ist von präzedenzloser Intensität. Bedauerlicherweise zeigen sie schon groteske Auswirkungen. So hat ein Verwirrter ­Parallelen zum Weltfussballverband Fifa gesehen, in dessen Umfeld es bekanntlich um schwere Straftaten und um langjährige Zuchthausstrafen geht. Derlei Ignoranz muss man nicht weiter kommen­tieren. Von Janiak ist aber zu verlangen, dass er sich von den nunmehr offengelegten Machenschaften öffentlich distanziert, und zwar besser heute als morgen. Ansonsten macht er sich unglaubwürdig, und es kommt die Verschwörungstheorie auf, dass Janiak mit den Übeltätern unter einer Decke steckt. Kein Politiker darf Medienfilz tolerieren. Von den ­Journalisten ist strikt zu verlangen, dass sie ihre Unabhängigkeit wahren. Dies ist für die Verteidigung der Pressefreiheit unabdingbar. Wenigstens in diesem Punkt sollten sich die Kandidaten für das Bundesparlament einig sein.

Martin Wagner ist Rechtskonsulent der ­Wirtschafts­kammer Baselland und der Basler Zeitung.