Mi, 04. Jan 2017 | Region | Seite 15

Sie war selber Teil von Banken-Fiasko

Bei der Suche nach einer Bankrätin setzte Eva Herzog (SP) auf Headhunterin Doris Aebi

Von Mischa Hauswirth

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Basel/Solothurn. Es war einer der grössten Bankenskandale in der Schweizer Geschichte. Am 26. Januar 1994 musste CVP-Regierungsrat Peter Hänggi der Solothurner Bevölkerung mitteilen, dass die Solothurner Kantonalbank (SKB) am Boden liegt. Die Eidgenössische Bankenkommission verlangte eine Sanierung, der Rückstellungsbedarf belief sich auf 600 Millionen Franken. Betroffen war auch Partizipationskapital in der Höhe von 40 Millionen Franken, also das Geld von Kleinsparern und Kleinanlegern. Die Medien titelten vom Niedergang und Ende einer wichtigen Bank. Der direkte finanzielle Schaden konnte am Ende auf 400 Millionen beschränkt werden.

Mitverantwortlich für dieses Bankenfiasko war die damalige SKB-Bank­rätin und SP-Frauen-Hoffnungsträgerin Doris Aebi. Sie ist heute Headhunterin bei Aebi & Kühni AG und hat die neue Basler Bankrätin Priscilla Leimgruber an SP-Regierungsrätin Eva Herzog vermittelt. Leimgruber selber war Mitglied der Geschäftsleitung der Glarner Kantonalbank, galt als rechte Hand des CEO Bernt Arpagaus und war Leiterin für Finanzen und verfasste im 2007 noch selber Risikoberichte, bevor die Bank 2008 eine Fehlinvestition von 100 Millionen bekannt geben und fast 97 Millionen abschreiben musste. Leimgruber wurde im Gegensatz zu den anderen Geschäftsleitungsmitgliedern aber nie angeklagt oder rechtlich belangt. Ein ehemaler GLKB-Bankrat sagte zur BaZ, Leimgruber sei «in einem Akt der General­amnestie von der Anklage verschont» geblieben. Auf Anfrage gab Herzog an, ihr liege «eine Bestätigung vor», dass Leimgruber die Probleme nicht zu verantworten habe (die BaZ berichtete).

Grund für «Schlappe der SP»

Doch nicht nur die Wahl von Priscilla Leimgruber durch Regierungsrätin Herzog lässt aufhorchen. Dass sie ausgerechnet Doris Aebi den Auftrag für die Personalsuche erteilt hatte, erstaunt mindestens so sehr. Denn Aebi war für die «Misswirtschaft mit fatalen Folgen» (Solothurner Zeitung) bei der SKB mitverantwortlich. Peter Gross, damals Präsident des Sanierungsgremiums, berichtete von «verheerenden Führungsstrukturen», die er bei der SKB vorgefunden habe. Vor allem, dass die SKB die Bank in Kriegstetten übernommen hatte, die sich «in einem himmel­traurigen Zustand» befunden habe, konnte der Krisenmanager nicht nachvollziehen. Beim Führungsgremium – unter anderem dem Bankrat – sei es «zu einer Vermischung von Kompetenzen und Verantwortlichkeiten gekommen», die das Debakel ausgelöst habe. Pikant: Die Übernahme der maroden Bank in Kriegstetten erfolgte mit Bankrätin Doris Aebi.

Parallel zu Gross’ Aufgabe installierte der Kantonsrat eine Parlamentarische Untersuchugskommission (PUK), um die Hintergründe des Bankencrashs aufzuklären. Die PUK sollte untersuchen, warum die Altlasten der Krieg- stetter Bank erst Anfang 1994 und nicht schon früher entdeckt worden waren.

Nichtsdestotrotz kandidierte Aebi im Jahr 1997 bei der Regierungsratswahl. Zusammen mit Rolf Ritschard sollte sie der SP wieder zu zwei Sitzen in der seit zwölf Jahren bürgerlich dominierten Regierung verhelfen – im Vorfeld erhielt Aebi als Frau viel Vorschusslorbeeren von der Presse. Das Vorhaben aber misslang. Lag SP-Kandidatin Aebi nach dem ersten Wahlgang noch auf Platz fünf, landete sie im zweiten Wahlgang auf dem siebten und letzten Rang.

Die Solothurner Stimmbevölkerung wollte nicht goutieren, dass Aebi ein Teil des Bankrats und somit mitverantwortlich für das gigantische Finanzloch war. Aebi galt als «Kantonalbank- geschädigt», schrieb damals der Tages-Anzeiger. Und weiter hiess es, sie sei der Grund für die «Schlappe für die Solothurner SP».

Im Februar 1997 hielt die BaZ nach einem Artikel, in dem es um Kritik am bürgerlichen Finanzdirektor Hänggi und dessen Rolle im Bankenskandal gegangen war, fest, «es wird vernebelt, dass der Bankrat – mit der Stimme des SP-Mitglieds Doris Aebi – gegen die eindringlichen Warnungen von Regierungsrat Peter Hänggi die Übernahme der Bank in Kriegstetten beschloss».

«Es ist wunderbar, Frau zu sein»

Nach der verlorenen Wahl machte sich Aebi auch bei ihren Genossinnen und Genossen unbeliebt. An einem Parteitag rief sie auf, angesichts der finanziellen Schieflage im Kanton zu sparen. Dies wurde ihr übel genommen, weil sie für die finanzielle Schieflage des Kantons mitverantwortlich war.

Nicht einmal der Frauenbonus nutzte ihr, so schwer war Aebi nach dem Bankenfiasko angeschlagen. Ganz anders Ruth Gisi, die für die FDP in die Kantonsregierung einzog. Dabei war Aebi schon früh eine Verfechterin der Frauenquote und forderte mehr Frauen in Politik und Wirtschaft. Aebi, die Soziologie, Wirtschaft und Politologie studiert hatte, sagte 2005 in der Schweizer Illustrierten, «es ist wunderbar, eine Frau zu sein», und forderte, dass es mehr Frauen in den Tepppichetagen geben sollte. Und 2014 sass Aebi mit Eva Herzog auf einem Podium mit dem Titel «Women at the top».

Aebi, die von 1993 bis 2000 im Solothurner Kantonsparlament sass und von 1994 bis 1998 bei der UBS Zürich verschiedene strategische Projekte betreute, arbeitete bei der Headhunter-Firma Bjørn Johannson, bevor sie 2005 mit René Kühni eine eigene Beratungsfirma eröffnete. Die Schönenwerderin sass zudem im Verwaltungsrat der Migros Aare und des Migros-Genossenschafts-Bundes und war Schulrat der Fachhochschule Solothurn/Nordwestschweiz. Sie hat 2005 der Berner Zeitung erzählt, dass sie ihr Haus mit dem grossen wilden Garten liebt, gerne kocht und geniesst und gerne ausgedehnte Tandem-Fahrten unternimmt.

Regierungsrätin Herzog ist mit der Frage, ob sie mit Leimgruber die richtige Personenwahl getroffen hat, nicht alleine. Auch alt Bundesrat Moritz Leuenberger (SP) musste sich den Vorwurf gefallen lassen, bei der Kandidatensuche nicht sorgfältig genug vorgegangen zu sein und dabei einer Parteikollegin erst noch ein lukratives Geschäft ermöglicht zu haben. Damals ging es um die Besetzung von Claude Béglé als Post-Chef, der später abgesetzt wurde. Die Vermittlerin hiess damals wie heute: Doris Aebi.