Fr, 03. Jul 2015 | Kultur | Seite 20

«Ich will Talente ermutigen»

Chus Martínez über den «Tank» in der Hochschule für Gestaltung

Von Annette Hoffmann

Basel. Die Tür zu Chus Martínez’ Büro im Institut Kunst der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW steht offen. Überhaupt sei sie kein «Mensch defensiver Energien», sagt die 1972 geborene Spanierin über sich selbst. Dass das Institut Kunst einen eigenen Ausstellungsraum bekommen würde, war nur eine Frage der Zeit bei einer Direktorin, die die kuratorische Abteilung der documenta 13 geleitet hat.

BaZ: Warum braucht die Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW einen eigenen Ausstellungsraum?

Chus Martínez: Ein solches Laboratorium hat eine lange Tradition an Kunstschulen. Die Studierenden haben hier Ateliers. Wenn sie fertig sind, stellen sie oft in Off-Spaces aus, aber ab und zu fehlt ein Zwischending. Mit Fabian Marti, der den «Tank» einweiht, haben wir einen etablierten jungen Künstler gewählt, der als Modell dienen kann. Er arbeitet oft in Kollektiven, und mit der Sammlung Marti hat er einen intellektuellen Austausch mit anderen Künstlern initiiert. Fabian Marti hat vorgeschlagen, auf der Grundlage einer alten Arbeit eine neue zu machen. Die Idee von Kontinuität und Austausch halte ich für ein gutes Signal.

Was ist «Der Tank» im Idealfall?

Eine perfekte Plattform zum Ausstellen und Lehren und ein perfekter öffentlicher Raum. Klein und bescheiden genug, um Leute einzuladen, an diesem Experiment teilzunehmen. Er hilft, nach anderen Wegen des Ausstellens zu suchen, eine Expedition zu Formen und Materialien zu unternehmen, einen Dialog mit Künstlern und Publikum sowie den anderen Institutionen auf dem Campus zu führen. Lassen Sie mich noch anmerken, dass der Ausstellungsraum Teil eines Pavillons ist, in dem sich von der Hochschule genutzte Bildhauer- und Druckwerkstätten befinden.

Wer wird den Raum kuratieren?

Im Moment die Dozierenden des Instituts Kunst und ich. In den ersten sechs Monaten möchten wir Gäste einladen. Dann werden wir Sonderprojekte mit Studierenden, Dozierenden und Gästen veranstalten – das können ganz verrückte Projekte werden. In den kommenden Jahren möchte ich dort auch auf die Geschichte des Instituts zurückblicken. René Pulfer, der das Institut jahrzehntelang geleitet hat, wird hier ausstellen. Wenn man auf einen neuen Campus zieht, kann man nicht ablesen, wie alles entstanden ist. Wir werden also mit jüngeren Künstlern in die Zukunft schauen und mit älteren in die Vergangenheit.

Was für eine Idee steckt hinter dem Namen Tank?

Ich habe nach einem Symbol gesucht, das diesen Raum tragen könnte. Dann hat mir eine Künstlerin von den Lachsen erzählt, die einmal im Rhein gelebt haben. Wegen verschiedener ökologischer Katastrophen verschwand der Fisch beinahe. Jetzt ist er wieder da. Lachse laichen ja dort, wo sie geschlüpft sind. Das hat mich beeindruckt, und daher begleitet der Lachs unser Institut. Wenn da ein Fisch ist, muss es einen Tank geben. Mich hat schon immer, auch bei meiner Arbeit für die documenta 13 interessiert, wie Kunst unser Verhältnis zur Natur erweitern kann. Natürlich hat der Name auch etwas mit Think-Tank zu tun und der Idee eines Resonanzraumes und Speichers.

Täuscht es oder geht das Institut Kunst verstärkt an die Öffentlichkeit?

Eine Ausbildungsinstitution sollte dosiert die Öffentlichkeit suchen. Ab und zu tut das gut. Etwa als voriges Semester der Dichter Kenneth Gold­smith und die Autorin Ann Cotten zu uns kamen. Die Studierenden haben gemerkt, dass diese Themen auch für Menschen, die sich nicht nur mit Kunst befassen, aktuell sind. Das möchten wir wiederholen. Und fast jeden Mittwoch veranstalten wir einen öffentlichen Art-Talk.

Wie kann man jungen Künstlern den Start erleichtern?

Diese Frage beschäftigt mich sehr. Wir planen für unsere Diplomanden gemeinsam mit einem Sponsor, vor allem für die Master-Abgänger, einen Start-up-Preis. Wir möchten zeigen, dass wir ein Teil der Gesellschaft sind. Wir versuchen das Wissen und auch das Selbstvertrauen der Jungen zu stärken. Ich glaube, in der Schweiz ist man oft zu bescheiden. Es gibt unglaubliche Talente, ich möchte sie mutiger machen und auch ermutigen, Partnerschaften zu schliessen.

Bis 7. Juli: Fabian Marti, «G.I.F.T.». «Der Tank», Institut Kunst HGK FHNW, Freilager-Platz 1. Do 16–20 Uhr, Sa 14–18 Uhr. www.institut-kunst.ch