Fr, 02. Dez 2016 | Schweiz | Seite 4

Gleichstellungsbüro

Schwache Frauen

Parlamentarier, die noch nicht so lange im Rat sind, müssen sich einen Ruf als sattelfeste Debattierer erst erarbeiten. Gelegenheit dazu bieten umstrittene Geschäfte, so zum Beispiel der Antrag der SVP, dem Gleichstellungsbüro des Bundes einen Viertel des Budgets, eine Million Franken, zu streichen. Ob das «Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann» tatsächlich etwas für die Gleichstellung bewirkt oder nur jedes Jahr vier Millionen Franken für Propaganda und Lobbying ausgibt, ist nicht erwiesen.

Die Baselbieter SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger vertrat diese Haltung und zog den Zorn der vereinigten links-grünen Feministinnen auf sich, die sie mit insgesamt acht Fragen in die Enge treiben wollten. Interessant, was dabei für ein Frauenbild offenbar wurde: Die Kritiker von Sollberger nehmen erstens als gegeben an, dass jeder für dieses Büro ausgegebene Franken auch tatsächlich etwas bewirkt. Für sie sind zweitens die Frauen ein schwaches Geschlecht, die ein millionenschweres Büro brauchen, das sie zur Gleichstellung erlöst, für die anderen ein starkes, leistungsbereites Geschlecht, das sich holt, was ihm zusteht.

Der Antrag scheiterte trotzdem an SP, Grünen, CVP und Teilen der FDP. fi