Mo, 29. Okt 2018 | Basel.Land. | Seite 17

Tradition trifft auf Moderne

Am Samstag öffneten die Klöster Mariastein und Dornach Interessierten ihre Türen

Von Tomasz Sikora

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Mariastein/Dornach. Es herrscht kalter Nieselregen in Mariastein, grauer Nebel hängt über den Jurahügeln. Vom goldenen Herbst sind nur noch die gelb, orange und feuerrot verfärbten Laubbäume übrig. Hätten die Klöster Mariastein und Dornach nicht zu einer Führung geladen, es würde sich wohl kaum jemand auf den Weg hierher, in diese einsame Gegend am nordwestlichen Rand der Schweiz, machen.

Einige Dutzend Leute, vornehmlich fortgeschrittenen Alters, finden sich in der Basilika des Klosters Mariastein ein. Angesichts des Wetters und der Abgeschiedenheit des Ortes kann man wohl tatsächlich von Gläubigen sprechen.

Die Führungen in den Klöstern finden im Rahmen der Schweizer Beteiligung am Europäischen Jahr des Kulturerbes statt. Ziel, so eine gemeinsame Mitteilung der Klöster, sei es, «das Potenzial des Kulturerbes für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und für das Wohlbefinden aller Menschen sichtbar zu machen».

Abgelegen, aber kosmopolitisch

Pater Leonhard, einer der aktuell 17 Benediktinermönche im Kloster Mariastein, führt einen Teil der Interessierten durch die Räume des Wallfahrtsortes. Der Legende des Fallwunders aus dem 14. Jahrhundert nach hat Maria hier einen Hirtenjungen vor dem sicheren Tod bewahrt, nachdem er vom Felsvorsprung gestürzt war, auf dem sich heute das Kloster befindet. Daher auch der Name des Klosters.

So abgelegen und in sich gekehrt das Kloster, so kosmopolitisch kommen die vielen Tafeln in zahlreichen Sprachen daher, welche die Wände auf dem Weg hinunter in die Gnadenkapelle säumen – «das eigentliche Herz des Klosters», sagt Pater Leonhard. Selbst so exotische und unerwartete Sprachen wie Türkisch, Aramäisch, hier sogar arabisch geschrieben, und Tigrinya, das in Äthiopien und Eritrea heimisch ist, sind zu sehen. Der Zweck ist aber bei allen gleich: Sie danken Maria für ein Wunder, das sie gewirkt haben soll.

Mit Blick auf Tigrinya, sagt Pater Leonhard, dass das Kloster ein Stück weit auch Modernes widerspiegle – und meint damit vermutlich, ohne sie zu nennen, die Asylsuchenden, die in den vergangenen Jahren aus Eritrea in die Schweiz gekommen sind. Wie viele Sprachen insgesamt auf den Dankestafeln vertreten sind, weiss er aber nicht. «Da müssen Sie schon selber zählen», sagt er lachend.

Auch die Kleider, die das Gnadenbild der «Mutter vom Trost» in der Gnadenkapelle trägt und die regelmässig gewechselt werden, sind zahlreich und zeugen von der grossen Ausstrahlung des Klosters. Gemäss Pater Leonhard sind es insgesamt 25. «Eins davon hat eine Frau aus Indien genäht», sagt er.

Anders als das entlegene Kloster Mariastein liegt das Kloster Dornach zentral, gleich neben dem Dornacher Bahnhof. Kapuzinermönche gibt es hier aber schon seit über 20 Jahren nicht mehr. «Das Nachwuchsproblem der Kapuziner wurde so akut, dass sie sich entschieden haben, das Kloster aufzugeben», sagt Lynn, die die Besucher durchs Kloster führt. Die verbliebenen Mönche haben sich für andere Klöster in der Schweiz entscheiden. Danach ist eine Lebensgemeinschaft eingezogen.

Lebhafter Betrieb

Da, wo früher in Stille gebetet, Kranke gepflegt und die Armen verköstigt wurden, herrscht jetzt emsiges Treiben. Das Kloster Dornach, heute eine Stiftung, versucht sich als moderner Betrieb und ist Restaurant, Hotel, Kirche und Kultur in einem. Einige Zimmer werden auch vermietet – ganz nach der Tradition der Kapuziner – kostenlos an Menschen in Not.

Die Schlichtheit des Bettelordens der Kapuziner ist dem Haus trotz dem Auszug der Mönche und der neuen Nutzung nach wie vor anzusehen. Sie zeigt sich in der karg eingerichteten Klosterkirche und dem fast leeren inneren Chor. Auch im Garten setzt sie sich fort. Einen Weg, an dessen Rand sich Bänke und dahinter hohe Bäume aneinanderreihen und der vor einem Kreuz endet, hätten die Kapuziner als «Baumkathedrale» genutzt, sagt Lynn.

Wirtschaftlich kann der neue Betrieb noch nicht auf eigenen Beinen stehen. Er ist nach wie vor auf Stiftungen angewiesen: «Wir sind erst dabei, herauszufinden, wie ein Kloster erfolgreich auf neue Weise genutzt werden kann», sagt Lynn.