Mi, 06. Jan 2016 | Region | Seite 17

Airbnb mutiert in Basel zum Gewerbebetrieb

Die «Sharing Economy» hat sich industrialisiert, jedoch gibt es kaum Möglichkeiten, dies zu unterbinden

Von Serkan Abrecht

Basel. Das Grundkonzept des US- amerikanischen Community-Marktplatzes Airbnb war simpel und clever: Wer genug oder gar zu viel Platz hat, darf diesen gerne auf der Online-Plattform von Airbnb teilen und vermieten, um kalte Betten zu vermeiden. So entstand eine «Sharing Economy», welche aber mit dem eigentlichen Teilen bald nichts mehr zu tun hatte. Der Community-Marktplatz hat sich schnell vom Konzept eines «Bed and Breakfast»-Feelings für Privatpersonen entfernt.

Über die letzten Jahre hinweg hat sich die private Zimmervermietung schleichend industrialisiert. Die Vermieter auf Airbnb bieten meistens nicht nur ein Zimmer an, sondern gleich neun bis zwölf Wohnungen. Da Vermieter durch Kurzzeitvermietungen oft mehr Geld verdienen können als bei regulären Vermietungen, kommen immer mehr gewerbliche Vermietungen zustande. Das Walliser Tourismus-­Observatorium publizierte kürzlich eine Studie, die das rasante Wachstum der Wohnungsvermittlungsplattform dokumentierte. Schweizweit hat sich das Angebot mehr als verdoppelt.

Pikant ist vor allem der gewerbliche Wachstum von Airbnb. Die Studie hat ergeben, dass fünf Prozent der Vermieter 20 Prozent des Angebots verwalten und mehr als zwei Wohnungen vermieten. Genaue Zahlen für Basel-Stadt wurden dabei nicht evaluiert, jedoch findet man schon bei einem kurzen Blick auf Airbnb mehrere Vermieter, die zwischen drei und elf Wohnungen im Raum Basel vermieten. In Basel-Stadt macht das Angebot 31 Prozent der ­verfügbaren Hotelbetten aus. Dieser Wert liegt 13 Prozent über dem Schweizer Durchschnitt. Der Schaden liegt dabei bei der Hotellerie.

Kein fairer Wettbewerb

Die Hotelbranche anerkennt die neue Konkurrenz, die besonders in Basel sehr stark ist. «Wir sind uns der Konkurrenz von Airbnb selbstverständlich bewusst, welche sich besonders während der Messezeiten in Basel zeigt», sagt Felix Hauser, Präsident des Basler Hotelier-Vereins (BHV) und Direktor des Hotel Radisson Blu in Basel. «Jedoch sind auch die Hotels zu dieser Zeit meistens ausgebucht.» Trotz dem rasanten Wachstum der «Sharing Economy» ist die momentane Lage für den Hotelier-Verein noch nicht prekär. Der Verein verlangt jedoch faire Wettbewerbsbedingungen, welche bis heute nicht gerecht umgesetzt wurden.

Eine Gasttaxe wird nämlich für die Nutzer von Airbnb-Angeboten nicht ­fällig. Auch diverse vorgeschriebene Richtlinien wie Brandschutzmassnahmen oder Hygienevorschriften, an die sich Hotellerie- oder Gastronomiebetriebe halten müssen, gelten für die «Sharing Economy» nicht. «Es sollte dafür gesorgt werden, dass in diesem Wettbewerb alle Akteure über gleich lange Spiesse verfügen», meint der BHV-Ombudsmann und ehemalige ­«Hilton»-Direktor Urs Hitz. «Die bestehenden Gesetze sollten an den heutigen Markt angepasst werden, ansonsten müssen wir auf Hilfe aus der Politik hoffen», so Hitz.

Den Forderungen einer neuen Gasttaxe pflichtet das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) bei: «Die Gasttaxe wird zwar nicht vom Betrieb bezahlt, sondern vom Gast, sie ist aber Bestandteil des von ihm zu bezahlenden Preises und deshalb wettbewerblich relevant», sagt Samuel Hess, Leiter Wirtschaft beim AWA. Intern liege bereits ein total revidiertes Gesetz vor.

Doch der Weg, das neue Room-­Sharing-Phänomen irgendwelchen Ge­setzen unterzuordnen, ist mit gesetzlichen Grauzonen gepflastert. Um von Vermietern, welche mehrere Wohnungen gleichzeitig vermieten, ein Umnutzungsgesuch verlangen zu können, muss der Sachverhalt einer Zweckentfremdung klar bewiesen werden. Wer auf Airbnb über Gastgeber stolpert, welche über elf Wohnungen in Basel feilbieten, scheint hier ein Corpus Delicti gefunden zu haben.

Gesetz bietet Spielraum

«Gesetzlich ist es sehr heikel, solche Anbieter einer Zweckentfremdung zu beschuldigen», sagt jedoch Luzia Wigger, Amtsleiterin des Bau- und Gastgewerbeinspektorats. «Nur aufgrund von Online-Inseraten davon auszugehen, dass es sich bei Anbietern mehrerer Wohnungen um Personen handelt, welche diese gewerblich nützen, hätte juristisch gesehen keinen Halt.»

Es könne sich dabei auch um eine Art Agentur handeln, die im Auftrag von verschiedenen Eigentümern Wohnungen anbietet, meint Wigger. Der Beweis, dass eine Vermietung gewerblich erfolgt sei, sei sehr schwierig zu erbringen. Auch das Wohnraumfördergesetz lässt Airbnb grossen Spielraum. Um gegen den dortigen Artikel 8, der sich mit der Zweckentfremdung von Wohnraum befasst, zu verstossen, muss eindeutig eine gewerbliche Nutzung bewiesen werden.