Mo, 23. Apr 2018 | Basel.Land. | Seite 21

Whisky, Würmer, Warteschlangen

Der erste Liestaler Genussmarkt zog die Besucher in Scharen an

Von Daniel Aenishänslin

Artikel-Detailbild

Liestal. «Das habe ich im Stedtli noch nie gesehen», freut sich Hanspeter Zumsteg. Der Liestaler Einwohnerrat zeigt auf die Warteschlange vor dem Brotstand. Zustände seien das, die ihn an England, das Mutterland aller Warteschlangen, erinnere. Zu Stadträtin Regula Nebiker gewandt meint er so trocken wie anerkennend, «deine Sturheit hat sich gelohnt».

Nebiker war eine der treibenden Kräfte hinter diesem Markt. Genauer hinter dem ersten Genussmarkt, der nun jeden Samstag stattfinden soll. In der Rathausstrasse wimmelt es von Schaulustigen. Unweit des Stadttors erhebt sich eine grüne Wand aus Salatköpfen, die im Glücksspiel gewonnen werden können. Auf halbem Weg zum Regierungsgebäude spielt die «Mittwuch’s Band Basel» ihren Old Time Jazz.

«Hier entsteht eine Plattform»

Mitten im Markttreiben ist Stadt-Entwickler Thomas Bretscher anzutreffen. Auch er zählt zu den Geburtshelfern des Genussmarktes. Entsprechend genau beobachtet er, wie gut das Warenangebot ankommt. «Stimmung und Andrang sind gut», sagt Bretscher, «natürlich hilft uns das gute Wetter.» Gegen 11 Uhr hätten einige Marktfahrer ihre Waren schon fast ausverkauft. «Bisher habe ich nur gutes Feedback erhalten», berichtet Thomas Bretscher, «ich bin überzeugt, hier entsteht eine Plattform.»

Gemütlich nehmen es Franz und Susanne Kaufmann. Der Stadtrat sitzt mit seiner Partnerin in einem Strassencafé. Der Blick schweift über die belebte Rathausstrasse und das breite Angebot an den 22 Ständen. Fleisch aus Rümlingen, Kuchen aus Wenslingen, Whisky aus Ormalingen, Bier aus Sissach und Liestal, Gemüse aus Therwil. «Erfreulich», urteilt der Stadtrat, der selbst Weinbauer ist, «ich sehe nicht nur unser Stammpublikum, sondern auch Auswärtige – und sie kaufen alles bei uns ein, inklusive Wein.»

Da ist der Wurm drin

Saskia Lubbers aus Eptingen empfiehlt ihre Bölchenschmützli. Das sind selbst gemachte Rahmtäfeli. So süss und so gut. Es sind gleich mehrere Punkte, die den Markt wertvoll machten, erklärt Lubbers. «Der Markt ist eine Gelegenheit, Kundschaft aufzubauen. Zudem muss keiner nach Deutschland einkaufen gehen, denn hier gibt es alle Grundnahrungsmittel.» Sogar Lebensmittel, die noch wenige auf dem Einkaufszettel haben. Produktmanagerin Daniela von Allmen bietet ihre Mehlwürmer aus Grossdietwil gleich selbst an. «Da ist für jeden Geschmack etwas dabei», sagt sie und versucht – tatsächlich mit Erfolg – eine Vegetarierin vom Insektenschmaus zu überzeugen.

Stadt-Entwickler Bretscher spricht von der Nähe zum Produzenten, die von der Kundschaft überaus geschätzt werde. Dass ein Weinhändler am ersten Genussmarkt bereits einen Liefervertrag mit einem Hotel habe abschliessen können, unterstreiche dies.

Um eine regionale Ausstrahlung zu erreichen, müsse das Angebot so breit bleiben, wie es sich an seiner ersten Ausgabe zeigt, ist Regula Nebiker überzeugt. «Die Kunden müssen darauf vertrauen können, dass die von ihnen erwarteten Produkte erhältlich sind», erklärt sie.

Ganz wichtig sei ihr das Echo der Detaillisten in der Rathausstrasse: «Es hat sich gezeigt, der Markt zieht die Leute an und diese nutzen auch das Angebot in den Läden.»